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Inspection of Arms

 

Inspection of Arms

oder

Senkrecht oder nicht senkrecht

 

Infantry Tactics von Silas Casey, 1862

School of the Soldier – Part II Seite 59

Inspection of Arms

235. Die Rekruten stehen im “Ordered arms” mit dem Bajonett in der Scheide, wenn der Instrukteur es wünscht, eine Inspektion der Waffen durchzuführen, kommandiert er:

Inspection – Arms

Ein Befehl und zwei Bewegungen

236. (Erste Bewegung) Greife das Gewehr mit der linken Hand unterhalb und dicht bei dem oberen Laufband, hebe es mit beiden Händen gegenüber der Mitte des Körpers, den Kolben zwischen den Füßen, den Ladestock nach hinten, den Lauf senkrecht, die Mündung ungefähr 3 Inches vom Körper; (bei der Verwendung der Rifle Muskete soll die Mündung ungefähr 8 Inches vor dem Körper sein); greife mit der linken Hand von hinten an das Bajonett, ziehe es aus der Scheide und stecke es auf den Lauf; greife das Gewehr mit der linken Hand unterhalb und dicht bei dem oberen Laufband, greife den Ladestock mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, die andern Finger werden geschlossen.

237. (Zweite Bewegung) Ziehe den Ladestock wie es im Abschnitt zum Laden beschrieben ist, und lass ihn in den Lauf bis zum Boden gleiten, stelle das Gewehr mit der linken Hand wieder vor die rechte Schulter und nimm wieder die Position des „Ordered Arms“ ein.

238. Der Instrukteur wird dann nacheinander das Gewehr eines jeden Rekruten inspizieren, indem er die Front jeden Gliedes entlang geht. Jeder, wenn der Instrukteur ihn erreicht, hebt zackig sein Gewehr mit der rechten Hand, greift mit der linken Hand zwischen dem unteren Laufband und der Kimme, das Schloss nach vorne, die linke Hand in der Höhe des Kinn, das Gewehr gegenüber des linken Auge; der Instrukteur nimmt es mit der rechten Hand am Kolbenhals, und, nachdem er es inspiziert hat, übergibt er es wieder dem Rekruten, der es mit der rechten Hand entgegen nimmt und wieder die Position der „Ordered Arms“ einnimmt.

239. Wenn der Inspekteur ihn passiert hat, nimmt jeder Rekrut wieder die Position ein wie sie beim Kommando „Inspection“ beschrieben ist, bringt den Ladestock zurück, nimmt das Bajonett ab und nimmt wieder die Position der „Ordered Arms“ ein.

So weit so gut. Genau so wurde mir das vor 25 Jahren beigebracht, genau so haben wir das 25 Jahre auch gemacht und dabei immer schön darauf aufgepasst das der Lauf auch immer schön senkrecht in die Höhe steht.

Aber halt, wo steht denn da daß der Lauf senkrecht in die Höhe stehen muss?

Na ja, die Reglements beziehen sich ja doch immer auf eine Vorgängerausgabe und sind dann nicht mehr so genau übernommen worden. Also mal schnell bei der Vorgängerausgaben nachgesehen. Das am weitesten verbreitetste dürfte dann ja wohl Hardee von 1855 gewesen sein.

School of the Soldier – Part II Seite 49

Inspection of Arms

226. The recruits being at ordered arms, and having the sabre-bayonet in the scabbard, if the instructor wishes to cause an inspection of arms, he will command:

Inspection – Arms

One time and two motions.

227. (First motion) Seize the piece with the left hand below and near the upper band, carry it with both hands opposite the middle of the body, the butt between the feet, the rammer to the rear, the barrel vertical, the muzzle about three inches from the body; carry the left hand reversed to the sabre-bayonet, draw it from the scabbard and fix it on the barrel; grasp the piece with the left hand below and near the upper band, seize the rammer with the thumb and fore-finger of the right hand bent, the other fingers closed.

228. (Second motion) Draw the rammer as has been explained in “loading”, and let it glide to the bottom of the bore, replace the piece with the left hand opposite the right shoulder, and retake the position of ordered arms.

229. The instructor will then inspect in succession the piece of each recruit, in passing along the front of the rank. Each , as the instructor reaches him, will raise smartly his piece with his right hand, seize it with the left between the lower band and guide sight, the lock to the front, the left hand at the height of the chin, the piece opposite to the left eye; the instructor will take it with the right hand at the handle, and, after inspecting it, will return it to the recruit who will receive it back with the right hand, and replace it in the position of ordered arms.

230. When the inspector shall have passed him, each recruit will retake the position prescribed at the command “inspection arms”, return the rammer, and resume the position of ordered arms.

Tja, viel schlauer sind wir jetzt auch nicht. Abgesehen davon das Herr Hardee vom Säbelbajonett spricht und am Ende das Bajonett aufgepflanzt bleibt, ist kein Unterschied festzustellen. Aber ist ja auch egal. Hardee hat ja sein Manual für die Zweibandmuskete geschrieben also suchen wir ein Manual für die Dreiband.

Da hätten wir zum Beispiel das Volunteer’s Manual von D.Baxter, 1861

School of the soldier, Instruction for the recruit Seite 58

Inspection – Arms (Three motions)

(First motion) Face to the right once and a half on the left heel …..… Was ist das den, das fängt ja ganz anders an. Ach so ist ja klar, der Autor hat von Scott abgeschrieben und der hat noch für die Steinschloßmuskete sein Manual gemacht. Also was schreibt er über die Übergabe der Muskete.

The inspector will then inspect in succession … den Rest spare ich mir, ist genau dasselbe wie bei Casey. Dafür hat er aber auch eine Abbildung wie das Gewehr gehalten wird.

Na das ist doch schon was. Von vorne steht es ja schön senkrecht in die Höhe.

Dann haben wir ja auch noch die U.S. Infantry-Tactics von 1861, auch bekannt unter dem Namen des Kriegsministers “Cameron‘s“ da sonst kein Autor angegeben ist.

Unter der School of the Soldier – Part II Seite 44 Finden wir wieder genau dasselbe was schon Hardee über die Zweiband geschreiben hat. Zum Glück gibt es aber noch einen Abschnitt über die Handhabung der Muskete.

School of the Soldier – Part III Seite 87

Inspection of arms

498. From the position of ordered arms, the bayonet being in the scabbard

One time and three motions

499. (First motion) Face to the right once and a half on the left heel …..… Sieh an, hat Baxter von Cameron oder Cameron von Baxter abgeschrieben

254. The inspector will then inspect in succession … den Rest spare ich mir wieder, ist genau dasselbe wie bei Baxter und Casey

Doch dann fällt mir beim durchblättern was auf.

Sollten wir in all den Jahren doch was falsch gemacht haben?

Also weitersuchen. Und siehe da, kaum beschäftigt man sich damit findet man was.

Im „Manual of instruktion for the Volunteers and Militia of the U.S.“ von 1861 bekannt als Gilham

Auf Seite 77 steht das Inspection of arms für Dreibandmusketen und auf Seite 88 für die Zweiband. Auch wieder identisch mit Scott, Baxter, Cameron oder Hardee, aber auch wieder mit einer Abbildung.

 

Und wieder ist ganz eindeutig zu sehen daß das Gewehr nach vorne geneigt ist. Sogar noch weiter als bei Cameron.

Manual ofArms for Light Infantry von Elmar Ellsworth, 1861

61 The present for Inspection

One time and one motion

195. Throw up the piece smartly with the right hand; seize it with the left hand at the tail band. Position of the piece.- Barrel to the right, and opposite to the left eye; muzzle inclining to the front, heel of the butt near the hip; left hand at the height of and eight inches from the chin.

Ellsworth hat sein Manual für eine Zweibandrifle geschrieben und weicht als Einziger im Wortlaut ganz erheblich von Hardee ab. Dabei ist er auch der Erste der auch wirklich schreibt, daß die Mündung schräg nach vorne zeigen soll und die Kolbenplatte bei der Hüfte steht.

Dann hätten wir da noch

Instructions and Regulations for the Militia of the U.S von Cooper 1843 in einer Ausgabe von 1861

Genau so wie Scott, Baxter, Gilham und Cameron

The Volunteer’s Handbook von J.K.Lee, 1860

Genau so wie Scott, Baxter, Gilham und Cameron

Camp, Garrison and Guard Duty von W.W.Duffield, 1861

Eigentlich genauso wie schon Scott, Baxter, Gilham, Cameron und Lee für die Dreiband, allerdings mit dem Unterschied das er die Inspektion sowohl mit dem Bajonett in der Scheide als auch schon aufgepflanzt beginnt. Ausserdem schreibt er genau so wie Ellsworth, das die Mündung nach vorne geneigt sein soll.

Da hat ja wohl einer vom anderen abgeschrieben, aber die beiden Abbildungen in Cameron und Gilham zeigen eindeutig das es wohl im Sinn der Autoren stand, daß das Gewehr nach vorne geneigt wird, eben so wie es bei Duffield beschrieben ist. Und dann plötzlich das:

Infantry-Tactics for Schools von Henry Heth von 1863 Seite 172 ff.

Each man, as the inspector reaches him, will smartly raise his piece with the right hand, seize it with the left below the lower band , the lock to the front, the left hand at the height of the chin, the piece opposite the left eye. (Plate XXVIII.)

Das liest sich ja nicht viel anders als die anderen vorher, allerdings wenn man sich das Bild betrachtet kommt doch was anderes raus.

Auf diesem Bild ist klar zu sehen das das Gewehr schon in einem viel steileren Winkel gehalten wird und der Kolben wesentlich weiter von der Hüfte absteht und schließlich schreibt Morris in den Infantry Tactics von 1864

The instructor will then inspect in succession the piece of each recruit, in passing along the front of the rank. Each , as the instructor reaches him, will raise smartly his piece with his right hand, seize it with the left between the lower band and guide sight, the lock to the front, the left hand at the height of the chin, the piece vertical and opposite to the left eye; the butt about two inches from the body. The instructor will take it with the right hand at the handle, and, after inspecting it, will return it to the recruit who will receive it back with the right hand, and replace it in the position of ordered arms.

Als letztes sei dann noch das Nachkriegsmanual von Emory Upton von 1867 angeführt.

Er übernimmt zwar dann wieder den Wortlaut von Casey und Hardee, die beigefügte Abbildung zeigt uns dann aber doch das der Soldat mit dem linken Auge rechts am Lauf vorbei schaut. Ebenso ist der Zeigefinger der linken Hand, im Unterschied zur Abbildung aus dem Baxter, gestreckt



Was bedeutet das für uns als Reenacter?

Für eine Vorkriegsdarstellung und die frühe Kriegszeit muß wohl auf jeden Fall das Gewehr nach vorne geneigt werden. Spätestens ab 1863 hat sich dann aber ein Schlendrian eingeschlichen und das Gewehr wurde immer steiler gehalten, bis es schließlich im Reglement von Morris die Senkrechte erreicht hat. Erst nach dem Krieg wurde das wieder korrigiert indem man mit Upton wieder zu der ursprünglichen Formulierung zurückkehrte. Ob dabei das Gewehr weiterhin senkrecht oder wieder mehr diagonal gehalten wurde bleibt noch zu beweisen.

Lassen wir zum Schluss noch einen Zeitzeugen zu Wort kommen

Der Offizier der Wache kommandierte dann „Inspektion – Arms“. Bei dem letzten Wort brachte die Wache ihre Gewehre nach vorne, stellte die Kolben mit dem Lauf nach außen zwischen die Füße, zogen den Ladestock und steckten ihn in den Lauf. Wenn der inspizierende Offizier ihn erreichte, greift er sein Gewehr am unteren Laufband, wirft es hoch an die Hüfte, fängt es mit der linken Hand am unteren Laufband, die Schwanzschraube knapp über der Hüfte, bringt das mittlere Laufband ungefähr auf eine Höhe mit den Augen, Schlossplatte nach außen, Mündung in einem Winkel von ungefähr 45 Grad nach außen geneigt, in dieser Position erhält der Offizier das Gewehr.

Memoiren von Lucius W.Barber, Company „D“, 15th Illinois Infantry,