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Wildflecken 2010

Bericht von Lt. Hecker über das Gefecht in der Zeit vom 10. bis 12. September

Near Petersburg

Dear Sir,

Am Freitag den 10. September sammelte sich meine Kompanie befehlsgemäß in den zugewiesenen Gräben südwestlich Petersburg um den Ausbau der Stellungen voranzutreiben.
Durch die vorangegangen Kämpfe erreichte die Kampfstärke leider nur mehr 17 Mann. Als letztes Opfer viel leider auch unser 1st Sgt. Mörsch aus, so das Cpl. Brachmann kurzerhand befördert werden musste um die Lücke zu schließen. Seine Leistungen auf diesem Posten steht außer Zweifel. Zum Cpl. für die erste Section wurde Privat Franke befördert. Vermutlich durch seine Herkunft nahe dem immer aufrührerischen Frankreich ist bei im eine gewisse Lässigkeit in der Dienstauffassung festzustellen, aber ich denke es kann im laufe der Zeit kann ein brauchbarer Unterführer in ihm herausgebildet werden. Der ganze Tag wurde genutzt um die Stellung zur nachhaltigen Verteidigung einzurichten. Durch den Bau von spanischen Reitern konnte dabei eine gefährliche Lücke in den Gräben geschlossen werden. Dabei war die Stimmung in der Truppe eine ausgezeichnete, alle fühlten das unser endgültiger Sieg nahe war. Bei der Munitionsausgabe wurde festgestellt das der Kompaniebestand an Kaliber ´58 beinahe aufgebraucht ist. Es muß dringend für Nachschub gesorgt werden oder wir werden im nächsten Gefecht ohne Munition dastehen. Auch ist der Bestand an Hardtack bedenklich gesunken, eine weitere Versorgung der Truppe ist nicht mehr gewährleistet. Für die Musketen im Kaliber ´69 ist noch ausreichend Munition vorhanden. Über die Nacht wurden Wachen ausgebracht.

Samstag den 11. September

Um 6:oo war Wecken befohlen und nach dem abkochen machten wir uns um 7:30 auf den Weg zum Sammelplatz des Bataillons. Die anschließende Wartezeit wurde noch einmal genutzt die Ausbildung der Kompanie zu verbessern. Major Übelmann hielt um 9:30 noch eine Dress-Parade, dann marschierten wir nach einer kurzen Ansprache ab um die konföderierten Stellungen anzugreifen. Auf einer Wiese südlich des Lagerplatz befand sich unsere Artillerie schon in einem Duell mit der gegnerischen. Beim Anmarsch wurden wir aus einem kleinen Wäldchen von einigen versprengten Rebellen beschossen, diese konnten aber zum Glück keinen Schaden anrichten, sie wurden schnell von unseren abgesessenen Kavalleristen vertrieben. Der Kommandeur unserer Division, Cpt. Sanft beorderte gegen 11 Uhr meine Kompanie als Plänkler vorzugehen. Wir entfalteten unsere Linie und gingen gegen die Stellungen des Feindes vor. Dabei tauchte in unserer linken Flanke feindliche Kavallerie auf die auf uns vorgingen, darauf hin ließ ich die Männer zu vieren Sammeln. Aus mir unerklärlichen Gründen, vielleicht waren ihre Pferde zu sehr abgetrieben oder sie hatten keine Munition mehr, griffen sie allerdings nicht an sondern beließen es bei der Demonstration gegen uns, so das ich mich entschließen konnte ihnen keine weitere Beachtung zu schenken. Dies erwies sich als richtig da sie alsbald abgesessen auf uns zukamen um sich zu ergeben. Ich schickte sie durch unsere Linie zu den rückwärtigen Einheiten. Da den konföderierten Kanonen zwischenzeitlich die Rundkugeln ausgegangen waren um das Gefecht gegen unsere Artillerie weiter zu führen, luden sie ihre Stücke mit Kartätschen, gehacktem Blei, Musketenkugeln, Steinen und was sie sonst noch so finden konnten und beschossen damit meine Skirmishlinie. Durch dieses mörderische Feuer und durch das gut gezielte Schüsse von Scharfschützen in den Bäumen traten innerhalb von 10 Minuten furchtbare Verluste auf. Als um 11:20 die Kompanie hinter der Linie wieder sammelte betrug die Gefechtsstärke nur mehr 4 Mann. Sgt. Brachmann sowie die Privat’s Szolnoki, Brink und Stöckeler waren die einzigen die sich einfanden. Später trafen noch die versprengten Pvt. Berger und Meissner ein. Da die Kompanie damit keine kampffähige Einheit mehr darstellte, entschloss ich mich mit meinen Leuten, die ebenfalls schon stark gelichteten Reihen der 4. Tennessee Infantry unter dem Kommando von Lt. Kaine zu verstärken. Einem fähigen Offizier der es verstanden durch schnelles Handeln manch gefährliche Situation zu bereinigen, als versprengte Rebellentruppen aus verschiedenen Richtungen aus den Wäldern auftauchten.

Für den genauen weiteren Gefechtsverlauf siehe den Bericht von Lt. Kaine 4th Tenn. Inf.

Gegen etwa 12:30 erreichte mich eine Meldung von Cpl. Wolff das er sich etwa eine halbe Meile östlich mit Konföderierten im Gefecht befindet. Da Cpl. Wolff beim Roll-Call nach den ersten Gefecht als mit Kopfschuß gefallen gemeldet wurde und ich ihn auch wirklich stützen gesehen habe, wurde nach einer Beratung mit Major Übelmann und Cpt. Sanft befunden das es sich bei der Meldung nur um eine Finte der Rebellen handeln könne um uns zu veranlassen unsere Truppen zu teilen. Gegen 14:30 waren die Kämpfe weitgehend abgeflaut und ich schied mit Pvt. Stöckeler als letzten noch kampffähigen meines Kommandos aus dem Verband der 4. Tenn. Im Laufe des weiteren Nachmittags fanden sich dann doch glücklicherweise die Versprengten und leicht Blessierten meiner Kompanie wieder zusammen so das wir wieder die uns zugewiesene Stellungen besetzen konnten. Am Abend hatte ich dann die Ehre als Adjutant des Major Übelmann der Waffenniederlegung der konföderierten Verbände beizuwohnen. Ein seltsames Gefühl zu sehen, als die kampfgewohnten Fahnen der Konföderation das letzte mal im Winde flatterten um dann für immer eingerollt zu werden. Der Herr Major fand einige sehr ergreifende Worte und drückte seine Hoffnung aus das wir wieder zusammen an unserem gemeinsamen Haus bauen und die Gräben überbrücken können. Nachts keine besonderen Vorkomnisse.

Sonntag den 12.September

Wecken um 6:30 Uhr, abkochen und um 8:00 Uhr Abmarsch zum Lagerplatz des Bataillons. Da Major Übelmann verhindert war und keine weiteren Befehle hinterlassen hatte, führte ich die übliche Sonntagsinspektion durch und ließ um 9 Uhr die Kompanie auseinander treten.

Lt. Steve Hecker

 

 

Cpl. Christian Wolff
Virginia, Stellung des 52. Neu York Freiwilligen Regimentes
zu Zeit im Lazarett,



Liebe Frau,

ich schreibe Dir aus dem Krankenrevier um Dich zu beruhigen. Es ist bloß eine Erkältung die mich in den Gräben vor dieser Rebellenstadt geholt hat und ich bin guter Dinge, diese schnell auszukurieren.
Lass mich Dir berichten, was in den letzten Tagen, seit meinem Brief geschehen ist.

Wie Du bereits weißt, war ich auf dem Marsch von der Truppe getrennt worden und marschierte zusammen mit dem Kameraden Sven Trösken, welcher nach langer Abwesenheit wieder zur Truppe stieß, auf diese Rebellenstadt zu.
Der Donnerstag war naß und kalt und wir erreichten einen kleinen Weiler, wo man gegen etwas Geld einen stärkenden Trunk, Brot, eine Wurst und eine Gurke zu sich nehmen konnte. Wie froh war ich über diese Stärkung nach solch langem Marsch.
Während der Kamerad Trösken und ich also da saßen und unsere Füße ausruhten, beobachteten wir drei Frauen, die sich abmühten, Zelte zu errichten. Sie waren allein, ohne männliche Begleitung und so becshlossen wir, ihnen zu helfen.
Es waren wie wir Deutsche. Die Mutter Trudel, ihre Tochter Vanessa und eine Freundin der Familie, Miriam. Sie waren dankbar für unsere Hilfe und unsere Freude wuchs noch, als sich weitere Kameraden zu uns gesellten. Es war erst Bernd, der noch kräftig mit anpackte und wenig später kamen auch Alex Q. und Alex B. dazu, die ebenfalls wie wir als Straggler ihren Weg hier hin gefunden hatten. Als später noch Mattias und Stephan hinzustießen war es ein herzliches Händeschütteln und Umarmen. Wir besorgten den Damen Feuerholz und sie versorgten uns, während wir Feuer für sie schürten, mit Würstchen und erfrischendem Trunke. Bernd fand auf einem Planwagen noch ein A-Zelt, welches einem Händler gehörte. Wir "überzeugten" ihn jedoch, es uns zu überlassen und so errichteten wir es um in der Nacht, welche sicher wieder viel Regen bringen würde, trocken zu schlafen.

Den Abend verbrachten wir bei den Zelten der Frauen, am Lagerfeuer und einige Kameraden sprachen dem geistigen Trunk, welcher in Krügen und Flaschen gereicht wurde, sehr zu.
Flo, ein Kamerad aus einem anderen Regiment, der ebenfalls versprengt war, gesellte sich zu uns und so sangen wir wie man es von uns gewohnt ist und die Männer forderten von mir wieder mal den König Henri.
Ein Major, welcher ebenfalls, nach Urlaub, auf dem Weg zu seiner Truppe war, setzte sich zu uns ans Feuer und wir lauschten einem ergreifenden Gedicht, welches er vorzutragen wusste und welches mir einen Schauer über den Rücken jagte.

In Gegenwart der Damen musste ich viel an Dich denken, meine geliebte Frau und ich bin der göttlichen Fügung dankbar, dass es in diesen schweren Zeiten uns beiden gut geht und wir uns vielleicht schon bald in die Arme schließen können.

Die Nacht kam und Stephan und ich verkrochen uns unter dem Vorzelt der Damen, während der Rest der Männer sich in das Zelt des Händlers verkrochen.
Wider Erwarten war die Nacht trocken geblieben. Der Morgen war Nebelverhangen und ich war schon früh wach. Mit meinen Versuchen, das Feuer wieder zu entfachen, weckte ich nach und nach die Männer auf und so sammelte sich alles wieder am Feuer. Mattias, der uns schon am Abend zuvor mit wirklich köstlichen Mahlzeiten überrascht und verwöhnt hatte, zauberte ein herrliches Frühstück. Nach einem Rollcall und nach etwas Drill den Stephan abhielt, begannen wir unsere Sachen zusammen zu suchen und machten uns auch sobald auf den Marsch. Wie wir am Abend erfahren hatten, so waren die Stellungen unserer Armee gar nicht weit entfernt von uns.
Es ging durch einen Wald und schon bald erreichten wir die uns zugeteilten Frontabschnitte. Pünktlich am Graben, brach auch die Sonne heiß durch die Nebelschwaden. Ich ließ die Waffen und einen Mann zur Bewachung zurück und marschierte mit den Männern zum Depot des Quartiermeisters um uns mit Werkzeugen auszustatten.
Als wir zurück kehrten war auch schon Nachschub an Munition eingetroffen, sowie unser Leutnant. Wir machten uns sobald an die Arbeit die Gräben zu vertiefen, Brustwehren zu bauen, Bäume zu schlagen um spanische Reiter zu errichten und Schussfelder anzulegen. Die Stimmung der Männer war hervorragend und wir hatten nicht viel Mühe, sie am Arbeiten zu halten. Alex F., Peter und Rouven waren auch schon seit einiger Zeit wieder bei uns. Schmerzlich vermissten wir nur das Fehlen einiger weniger Kameraden, welche sicher noch auf den Straßen Virginias unterwegs waren um uns zu erreichen. Auch unser Sergeant fehlte und so wurde Stephan befördert, was ich sehr begrüßte. Alex F. wurde Corporal und zeigte sich darüber weniger begeistert.
Wie dem auch sei, die Arbeiten gingen gut voran und so neigte sich der Tag auch bald schon dem Ende zu. Als wir endlich fertig waren und zum Sammelplatz marschierten, erreichte uns zuvor die Nachricht, dass ein konföderierter Stoßtrupp versuchen wollte, bei uns durchzubrechen. Offenbar hielten wir es allzu leichtfertig für eine Falschnachricht und ließen bloß Peter zurück. Ich reichte ihm noch eine Patrone und sagte, er solle sie im Notfall für sich aufsparen, damit er nicht in die Hölle von Andersonville gelange.

Als wir den Sammelplatz erreichten herrschte reges Treiben und zu unserer Überraschung wurde die Nachricht hier viel ernster genommen als wir sie eingeschätzt hatten. Das 45th NY machte sich bereit auszumarschieren und die Blicke der vorbeiziehenden Reihen verraten Verwunderung über unsere Gelassenheit. So nahm das Unglück seinen Lauf.

Als wir zurück zu unseren Stellungen marschierten, bot sich das Bild, welches wir schon so oft beobachtet und erlebt haben. Vorbeiziehende Verwundete, Geschütze und Protzen auf der Straße, zurückflutende Versprengte und Einheiten.
Wir erreichten unsere Stellungen und fanden sie beschädigt vor. Die spanischen Reiter hatte man arg demoliert, die Brustwehren teilweise eingerissen und was noch viel schlimmer war - der gute Peter war verwundet und nicht mehr Herr seiner Sinne. Nachdem er seine vier Schuss, die er hatte, auf den Feind abgegeben hatte, war er, seine Muskete zurücklassend, in den Unterstand geflüchtet, hatte dort eine Flasche Rum gefunden, die dort für medizinische Zwecke gelagert wurde, und hatte diese leer getrunken.
So besoffen wie er war, beschimpfte er uns als treulose Hunde und erzählte die Geschichte seiner tapferen Verteidigung sicher einhundert mal. Nicht das wir das nicht respektierten, aber sein Zustand war dermaßen desolat, dass wir uns doch ernsthaft Sorgen machten.
Als uns dann noch zwei Briefe erreichten und Peter, der dänischer Abstammung ist, vom Krieg in Dänemark erfahren musste und den angeblichen Greueltaten der preußischen und österreichischen Truppen, da gab es für ihn kein Halten mehr. Enthemmt durch den Alkoholgenuss schrie er hysterisch, geriet in Streit mit dem aus Holstein stammenden Holger und so ließ er dem Leutnant keine andere Wahl, als ihn an einen Baum binden zu lassen, ihn zu Knebeln und ihm einen Sack über den Kopf ziehen zu lassen, nachdem eine Bestrafung in Form vom Baumstammtragen ihn nicht zur Räson gebracht hatte.
Ich kann Dir sagen, uns war ganz schön mulmig, wenngleich wir uns vielfach über die Bemerkungen des Peters lustig machten. Er sei unser moralischer Prometheus, wir wären alle brutale Büttel der Arristokratie und noch schlimmerem.

Gegen Einbruch der Dunkelheit ließ Peters Stimme nach und auch sein Rausch und so fanden wir doch endlich unsere ersehnte Ruhe.

Der Samstag begann mit sonnigem Wetter, was aber nicht über das bevorstehende Schlachtengewitter hinwegtäuschen konnte.
Nachdem wir gefrühstückt und unsere Stellungen geräumt hatten, marschierten wir wieder zum Sammelpunkt, wo wir einer Dressparade beiwohnten. Nach der Parade und dem anschließenden Bataillonsdrill wurden uns Kuchen und Äpfel ausgegeben, über welche wir uns regelrecht stürzten. Und dann ging es auch schon ins Gefecht, nachdem Jan uns mit einem feurigen Vers auf die Schlacht eingeschworen hatte.
Es war nicht weit, die Front lag schließlich fast vor uns und so gerieten wir schon beim Anmarsch unter feindliches Flankenfeuer.
Auf einem Feld formierten wir uns zur Skirmish-Linie und rückten vor. Ich weiß nicht, wie lange wir schon im Gefecht standen, sicherlich nicht so lange, als mich eine Kugel am Kopf streifte. Benommen sank ich zu Boden.

Als ich zu mir kam, da war die Linie schon weit vorgerückt und ich sah Jan und Mattias im Gras liegen. Auf meine Muskete stützend humpelte ich zu Mattias und gemeinsam schafften wir es einige Meter, wo uns dann der Feldscher in Empfang nahm. Nachdem meine nicht ernstzunehmende Verwundung versorgt war, barg ich Holger, welchen es am Bein erwischt hatte und mit Matti zusammen auch noch Jan und Bernd. Inzwischen waren auch andere an der Stelle, wo der Doktor uns sammelte angekommen, während die Schlacht weiter tobte und unsere, in der Linie verbliebenen Kameraden, verbissen kämpften.

Nachdem wir merkten, dass sich niemand mehr bei uns sammelte, nahmen wir die Tornister auf und entschlossen uns, gemeinsam zu unseren Stellungen zurück zu kehren. Jan wollte den Leutnant verständigen und verließ uns in Richtung des Schlachtgetümmels. Wir hätten es ihm gleichtun müssen, dass weiß ich heute, aber so ließen wir unsere Kameraden schamlos im Stich und enttäuschten unseren tapferen Leutnant und den Sergeant. Ich wünsche heute, dass ich es wieder gut machen könnte, aber es war halt geschehen.

In den Stellungen angekommen, ruhten wir uns aus. Es dauerte nicht lange, da gerieten wir unter Beschuss von Belagerungsartillerie und ein paar Rebellen versuchten, an unsere Stellung heranzukommen. Sie taten dies jedoch ohne Elan und Kampfeswillen, so dass es uns nicht schwer fiel, sie auf Distanz zu halten. Trotzallem war mir die Situation nicht geheuer und ich entsandte Bernd mit einer Nachricht an den Leutnant mit der Bitte um neue Befehle. Insgeheim hoffte ich, er würde uns aus den Stellungen abziehen aber wie sich zeigte, kam keine Antwort und auch Bernd ließ sich nicht mehr sehen.
Es dauerte nicht lange, nach unserer Besetzung der Stellung, als auch schon eine Einheit Artillerie zu unserer Verstärkung kam. Es handelte sich um fürchterliche Rekruten, so dass ich den Kapitän der Einheit mit der Begründung mangelnder Sicherheit, in andere Stellungen verweisen konnte, um meine Männer zu schützen. Alex F. und Matti waren zu sehr verletzt und sie verließen die Stellung in Richtung Sammelplatz und Lazarett. Gerade rechtzeitig, denn jetzt nahmen die Angriffe der Rebellen zu. In Skirmishlinie bedrohten jetzt andere Rebelleneinheiten unsere Stellung und die 2. Division unter Kapitän Jehle kam uns zu Hilfe. Ich log, aber darin schwang auch ein wenig Hoffnung mit, dass der Rest unserer Einheit noch auftauche und konnte somit unsere, selbstausgebaute Stellung, frei halten von anderen Einheiten.

Ich weiß nicht, ob uns die Rebellen nur beschäftigen wollten, sie griffen uns jedenfalls nicht entschlossen an. Die Artillerieeinheit machte einen Ausfall, die Zuaven stürmten hinterher und die 45th Neu Yorker stürmten gegen die Rebellen in unserem Rücken an. Wir waren aus dem Geschehen heraus und konnten uns ausruhen. Jan stieß wieder zu uns und berichtete, dass sich Reste unserer Einheit unten an der Straße befänden. Ich meldete mich bei Sergeant Brachmann und der ließ uns antreten. Wir marschierten mit der 1. Division zurück zum Sammelplatz. Die Schlacht war vorbei.

Wie sehr wir den Leutnant im Stich gelassen hatten, erfuhren wir erst jetzt und mir wurde es jetzt auch erst bewußt. Es war ein Fehler gewesen, ein Fehler, der mir sicherlich nicht mehr unterläuft.

Nach einem langen, schweißtreibenden Marsch erreichten wir unsere Stellungen und wir richteten uns zur Nacht ein. Ich selber musste diese in einem Wagen des Lazaretts verbringen, da sich die Vorboten meiner Erkältung bereits meldeten und die Kameraden meinten, ich sähe schlecht aus. Vielleicht lag es auch an meiner Schußwunde? Du brauchst Dir jedoch keine Sorgen machen, es geht mir gut und ich bin, abgesehen von der Erkältung, bei bester Gesundheit.

Am Sonntag erreichte uns die Nachricht der Kapitulation der Rebellen. Bei all der Freude hielt sich der Jubel aber in Grenzen da vor uns eine ungewisse Zukunft liegt. Der Gedanke aber, dass ich schon bald wieder bei Dir bin, macht mich glücklich und froh.
Wir traten noch einmal zu einer Inspektion an, bei der der Leutnant mit kritischem Blick einige kleine Mängel fand.
Alsbald marschierten wir aus dem Lager, wo uns der Leutnant und der Sergeant dann mit warmen Worten entließen.

Sobald ich aus diesem schrecklichen Krankenlager heraus bin, werde ich mich auf den Weg zu Dir machen, meine geliebte Frau und Dich in die Arme schließen und gemeinsam mit Dir in die friedliche Zukunft starten, die nun vor uns liegt.

Ich verbleibe mit besten Wünschen an unsere Eltern und in aufrichtiger Liebe,

auf Ewig Dein Dich liebender Ehemann