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Reenactortypen

Farb, Mainstream, Progressive, Hardcore

In den USA haben sich in der Sparte Civil War über die Jahr(zehnt)e ein paar Begriffe gebildet, die auch auf andere Sparten des Reenactments und natürlich auch in anderen Ländern angewendet werden (können).

Hier werden nun Ausrüstungs- und Uniformteilbegriffe benutzen, die für den ACW (Ameican Civil War) passen – diese können aber mit Leichtigkeit durch andere Begriffe anderer Epochen ausgestauscht werden.

Eine weitere Anmerkung: Die Übergänge dieser “Klassifikationen” sind meist fließend. Und manches ein bisschen überspitzt dargestellt Zwinkernd

- Der Farb: Er kommt zum Treffen mit einer Klamotte, die “ungefähr so aussieht” (z.B. Jeans, graue Jacke, John Wayne-Halstuch und Cowboyhut) und hat schlimmstenfalls auch noch eine Waffe dabei, die absolut nicht in die dargestellte Zeit passt. Er ballert am liebsten nur rum und damit eigentlich basta; Hauptsache, das Bier im mitgebrachten Kühler ist kalt … Persönlich ist er damit auch zufrieden und will auch nicht wirklich den Anspruch auf historische Korrektheit haben.
P.S.: Es gibt auch “Farbisms” oder “Reenactorisms” – also Reenactor-Weisheiten, die zwar schon seit Jahren als inkorrekt bewiesen worden sind (z.B. im Drill, in der Ausrüstung, etc.), aber dennoch immer noch oft weiter perpetuiert werden, auch bei “Mitgliedern” der folgenden “Klassifizierungen.”

- Der Mainstreamer: Seine Kleidung und Ausrüstung geht meist auf der 50-Schritt-Entfernung als passend durch, doch bei genauerer Betrachtung ist sie eben nur “ok” und nicht unbedingt 100% authentisch, da z.B. komplett mit Maschine genäht (wo eigentlich sichthandgenäht werden sollte), Lederzeug falschen Musters/Abmessungen, “Reenactorisms” in der Kleidung/Ausrüstung etc. . Der Mainstreamer bemüht sich oft, den Drill drauf zu haben; sollte er moderne Verpackungsmaterialien oder ähnliches haben, versteckt er sie in seinem A-Zelt (in dem er alleine oder mit der Familie auf Feldbetten übernachtet). Er hat ein gewisses Interesse an der Materie oder an einzelnen Facetten der dargestellten Epoche. Militärdarstellung bedeutet auch hier meistens nur Schlachtdarstellung, plus Drill. Wache oder ein militärischer Tagesablauf können, aber müssen für ihn nicht drin sein. Für ihn muss die Ausrüstung nicht 100% authentisch sein – entweder aus Geldgründen oder weil er mit “einigermaßen ok” auch zufrieden ist. Es gibt aber auch Mainstreamer, die exzellente Kleidung und Ausrüstung haben, aber dennoch eben “nur” im A-Zelt schlafen. Der Mainstreamer bekommt seine Ausrüstung meist gerade so ins Auto – Camping-Stühle und A-Zelte für eine Person/Familie nehmen eben viel Platz weg.

- Der Progressive: Er kommt höchstwahrscheinlich aus dem Mainstream, hat aber gemerkt, dass dies nicht alles ist und “im Hobby noch mehr geht.” Er hat seine Ausrüstung heruntergetrimmt und schläft nicht mehr alleine im A-Zelt, sondern mit Gleichgesinnten (in den Augen der Mainstreamer meist “Verrückten”) “im Wald”, als Zelt höchstens eine “Dackelgarage” (für deren Aufstellung er einen Kameraden braucht, da jeder Soldat nur eine Zeltplane hat); meist aber, wenn es das Wetter zulässt, unter dem freien Himmel, nur unter einer Decke. Er stellt seine Ausrüstung – so schnell, wie es ihm möglich ist – von Mainstream auf “authentisch” um. Kleidung und Ausrüstung sind nach Originalen gefertigt und kommen von kleinen Händlern – und nicht aus Pakistan; Kompromisse wie maschinengenähte nicht sichtbare Nähte werden hingenommen – und oft wird eine zweite Decke mitgenommen, obwohl eigentlich nur eine ausgegeben wurde, denn in Mitteleuropa ist es eben meist kälter im Sommer als in Virginia … Der Progressive möchte den Tagesablauf so genau wie möglich haben – vom Wecken über den Drill bis zum Zapfenstreich. “Militärische Etikette,” d.h. Befehlsketten und Ehrenbezeugungen für höhere Dienstgrade, ist selbstverständlich. Der “First Person”-Darstellung steht er meist skeptisch gegenüber. Wenn die Musketen nicht so lang wären, würden wohl fünf Progressive samt Ausrüstung ins Auto passen.

- Der Hardcore-Reenactor: Bei ihm stimmt auch die letzte von Hand gestochene Naht. Leider ist die Wolle wohl nicht von Nachfahren jener Schafe, die schon zu Zeiten des Bürgerkrieges für die Union geschoren wurden – und mit Indigo färbt auch keiner mehr, verdammt! Da die dargestellte konföderierte Einheit am 12.7.1864 keine Zeltplanen hatte, muss man sich eben nassregnen lassen. Der dargestellte Soldat kam aus County XY und dessen Pfarrer war Mr. Z. Unglücklicherweise sind die italienischen Replika-Musketen alle falsch in ihren Abmessungen – aber irgendwann ist das Geld für eine “custom”-Muskete aus authentischen Repro- und originalen Teilen da. Und nein, er ist nicht magersüchtig – dünn sein ist authentisch!