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Wildflecken2007

Regen am Schlammburger Hill

Ein grässlicheres Wetter habe ich für ein Reenactment noch nicht erlebt. Wenn die Neuen trotz dieser Erfahrung weiter dabeibleiben, dann alle Achtung!

Nun, ich versuche kurz die Ereignisse zusammenfassen.
Das Wetter: Regen von 11:00 Uhr am Freitag bis zum Mittag des folgenden Tages. Non Stop. Danach mehr oder weniger Regen oder Sprühregen. Sobald man den Fuß auf unserem Lagerplatz, einer Wiese, aufgesetzt hatte, sammelte sich an der Stelle eine Pfütze. Am Samstag konnte man an den Schlammwegen erkennen, wo die gemeinen Soldaten ihre Laufwege eingerichtet hatten. Auch der Platz unter Viktors Zeltdach, wo die Feuerstelle eingerichtet wurde, hatte an dem Samstag durchaus etwas von einer Schlammgrube.
Meine Reservesachen, die zum Anziehen für die Nacht vorgesehen waren, stellten sich später als klamm feucht bis nass heraus. Mutig die, die aus Mangel an Alternativen oder auf eigenem Wunsch im Dog tent übernachteten. Wir taten dies nicht. Doch in der zweiten Hälfte der Nacht fand ich mein Hinterteil in einer feuchten Kuhle wieder. Das Wasser war durch das Heu und die Zeltplane gezogen, hatte irgendwie mein gum blanket überwunden und sorgte für ausreichende Kühlung von unten. Gegen morgen bemerkte ich den gleichen Zustand für die Schulter. Die Soldaten von damals haben diesen Zustand über mehrere Tage und Wochen aushalten müssen. Uns stank es schon nach einem Tag. Der Mensch scheint also sehr anpassungsfähig zu sein.
Trotz dieses Wetters empfand ich aber immer noch so etwas wie Zusammengehörigkeitsgefühl und den Willen noch etwas daraus zu machen.

Verpflegung: Dank unserem Berger-King gab es ausreichend Verpflegung. Vielen Dank dafür. Bei dem Wetter ist etwas Warmes im Bauch richtig aufbauend. Und die Küche ist wirklich besser als ihr Ruf...... J.

Darstellung: Am Freitag sollte tatsächlich mit den 10 – 15 Mann die schon da waren, ein kleines Gefecht stattfinden. Lange währte es nicht, da die Musketen der Grauen im anhaltenden Regen nicht mehr funktionierten. Man ging also jeder seiner Wege.
Am Samstag wurde ein knapper Drill absolviert, der sich jedoch nur auf das Manual of arms beschränkte. Schließlich ließ uns der eingetroffene Leutnant Hecker noch ein wenig marschieren, damit die Füße mal wieder richtig warm wurden. Danach qualmten im wahrsten Sinn des Wortes die Socken.
Gegen 13:00 Uhr ging es ins Gefecht. Nun man kennt dies schon. Zahlenmäßige Überlegenheit der Grauen, von allen Seiten auf einen zuströmend. Wir immer weiter auf den Rückzug. Ich möchte die Gefallenendarstellungen nicht weiter kommentieren. Vermutlich wollte auf beiden Seiten keiner übermäßig Bekanntschaft mit der nassen Wiese oder dem Waldboden machen. Sei´s drum. Aber bitte, wenn einer mit einer leuchtend roten Kopfbedeckung vor 10 blauen Musketen im Wald „heranschleicht“, dann sollt er nicht Panzer spielen und meinen, er könnte die ganze Linie niederschießen..... Das ist nicht sehr wahrscheinlich.
Irgendwann war mir dass ständige Zurückziehen zu blöde. Das Warten auf die Umzingelung sollte ein wenig durch Gegenstöße (Angriff ist die beste Verteidigung) verzögert werden.
Das erste Mal schickte uns der Leutnant Ortschig in einen selbstmörderischen Angriff, der uns die ganze Einheit kostete, da wir eine Einheit angriffen, und die andere, die uns dann niederknallte nicht gesehen hatten. „Herr Leutnant, ich habe keine Einheit mehr....“.
Das zweite Mal sollte ein Charge durchgeführt werden, nachdem die gegenüberstehende Einheit gerade eine Salve auf uns abgefeuert hatte. Leider dauerte unsere Organisation zu lange und dann gab uns der Gegner keine Gelegenheit mehr hierzu. Einige unserer Männer riefen, „Mein Gott, wir werden alle sterben,“ und dann die Frage, wer noch neben uns stehen würde. Ich meldete, dass noch die Franzosen neben uns stehen würden, und die Antwort war wieder „Mein Gott, wir werden alle Sterben.“
Schließlich wurde eine Linie in der Seitenstraße hinter der Artillerie gebildet. Hinter uns kamen schon die ersten Rebellen aus dem Wald und verteilten sich auf beiden Seiten der Straße. Jetzt war es genug. Wir machten about face und marschierten vor. Dies führte dazu dass einige sich zurückzogen und die anderen von ihrer Einheit abgeschnitten wurden. Nachdem die abgeschnittenen Soldaten auf uns gefeuert hatten, schickte ich Corporal Wolff mit einigen Männern im Charge auf diese Leute, während die anderen auf dem Weg eine Linie mit der Front zum Feind bildeten. Es gelang tatsächlich einige Gefangene zu machen.
Dann wurden die Truppen geteilt. Eine Hauptstreitmacht und eine Reserve. Wir wollten die Grauen etwas zurücktreiben. Um unsere Jungs nicht mit geladenen Musketen den Berg raufrennen zu lassen, schossen wir diese leer und stürmten seitlich den Hügel hoch, um den Gegner später in der Flanke fassen zu können. Die Reserve sollte nach uns stürmen. In der Erwartung dass der Gegner seine Musketen auf uns leerschießen würde und dann unsere Reserve den Gegner in die Flucht treiben konnte. Unter schweren Verlusten gelang uns dies. Nun ja, so ungefähr. General Patton sagte einmal, das erste was bei einer Schlacht auf der Strecke bleiben würde, wäre der Schlachtplan. Kann ich nur bestätigen. Kurz darauf war jedoch Schluss. Wer wollte hätte noch weiter machen können, aber der Wille dies zu tun war dann doch recht begrenzt. Ich nehme an, dass die meisten mit mir den Rückzug an den warmen Herd zu Hause angetreten haben.

Fazit: Das Event war jetzt nicht unbedingt der Spaßbringer. Aber es hat mir wieder etwas gezeigt, was schon im letzten Jahr deutlich wurde. Gegen eine zahlenmäßig überlegene Truppe, bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als seine eigenen Truppen aufzuteilen. Dies ermöglicht mehr taktische Möglichkeiten. Wenn man nur da steht und wartet, bis der Gegner einen eingekreist hat, führt dies unweigerlich zu einem Ergebnis, dass man die Schlacht verliert. Besonders, wenn keine ausreichend gute Verteidigungsposition eingenommen werden kann, die einem die Chance gibt, einen Angriff abzuwehren. Da wir nicht scharf schießen, wird letzteres bei einem Reenactment keine Rolle spielen.
Vor diesem Hintergrund dürfte auch Jacksons und Lees Entscheidung bei Chancelorsville getroffen worden sein.
Ein Vorfall dürfte sich auch in meiner Erinnerung bewahren. Bei einem Schuss, der in meine Richtung abgefeuert wurde, meine ich, kurz etwas Warmes an meinem Kopf gespürt zu haben (möglicher Weise die Wärme durch Licht oder die warme Luft aus der Muskete) und dann die Druckwelle die an meine Stirn klatschte. Aus die Maus. Das wäre es wohl gewesen.
Game over.
Naja, nächstes Jahr auf ein Neues.
Insert Coins.