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Bummers 09

Bericht von Ben Hass von einem Reenactment in den USA

Endlich geht es los! Nachdem wir Wochen in den Gräben vor Atlanta verbracht und schließlich die Stadt eingenommen hatten, folgten Tage des Nichtstuns. Doch dann schicke Uncle Billy uns finalement nach Osten, um den verdammten Verrätern das Leben schwer und die Vorratslager leichter zu machen. Während manche Regimenter Gruppen zum Fouragieren in Kompaniestärke schickten, glaubte der Kommandeur unserer 103rd Illinois, dass Sergeant Brumagin und drei Privates reichen würden, um genug Rationen für den Rest des Regiments heranzuschaffen. Wir schlossen uns denn dem Kommando von Lt. Craddock, 97th Indiana, an, um im Falle eines Kampfes besser darzustehen, gleichzeitig aber für unser eigenes Regiment fouragieren zu können.
Die Forage Parties der 1st, 2nd und 3rd Division wurden am Abend unter Fackelschein aus dem Lager der Hauptarmee und somit von der Main Column herausmarschiert. Im Fackelschein dräute uns ein Beispiel dessen, was folgen sollte: Ein toter Unionssoldat, dem die Rebellen ein Schild "Death to all Bummers" umgehängt hatten. Mit einem flauen Gefühl im Magen ging es weiter, bis plötzlich Schüsse knallten! Vom Rücken eines Berges nahmen sie uns unter Beschuss, doch in der Dunkelheit war nicht viel zu treffen. Die 97th und wir wurden den Berg ein Stück hinaufgeschickt und hielten dann die rechte Flanke. Schließlich schickte man die 1st MO nach oben, die dann auch eine Linie von unten nach oben bildeten. Wir selbst konnten uns zur Ruhe legen.
Der neue Tag begann mit der Wache von 4 bis 6 Uhr. Ich wurde dazu eingeteilt, mit Nic von der 103rd und einem Kameraden der 97th die Straße zu bewachen. Mehr und mehr graute der Morgen und die Sicht wurde klarer. Schließlich war klar, dass von der Straße kein Angriff drohen würde, denn sie war überflutet und glich einem Seitenarm des Flusses, der tosend 50m rechts von uns sich seinen Weg bahnte. Ein Offizier brachte uns etwas Kaffee zum Aufwärmen, und bald waren auch die weiter hinten an der Straße lagernden Truppen einem Bienenstock gleich emsig unterwegs. Man entschied, dass die 1st MO der 97th und 103rd parallel den Bergkamm besteigen sollte. Also stiegen wir über Stock und Stein den Berg hinauf. Doch bald hatten wir die Missourians aus den Augen verloren. Der kräftezehrende Aufstieg jedoch ging weiter. Glücklicherweise fanden wir ein Wasserfass - während die Nacht kalt gewesen war, stiegen die Temperaturen am Vormittag auf sommerliche Verhältnisse und der Wasserstand in unseren Feldflaschen nahm dementsprechend ab. Kurz darauf fanden wir ein verlassenes Lagerfeuer - womöglich hatte Georgia-Milizionäre dort die Nacht verbracht. Da wir am Abend vorher nur ein Stück Speck als Ration erhalten hatten, machten Kamerad Nic und ich uns über einen halbgaren, noch in den Kohlen des Feuers liegenden Maiskolben her. Lt. Craddock sandte uns daraufhin aus, den nächsten Bergrücken nach möglichen Wegen zu untersuchen. Wir fanden ein paar leere Körbe und sahen, am Fuße des Berges, Rebellen. Wir entschieden uns, diese zu umgehen. Gemeinsam stießen 103rd und 97th über den Kamm vor. Plötzlich die gefürchtete Kavallerie! Doch die Berittenen hatten mehr Angst vor uns als wir vor ihnen und zog sich zurück. Im nächsten Moment stieß die 12th IN zu uns, die den ganzen Morgen einen Weg nebst der überfluteten Straße gesucht hatte, nun aber selber die Berge erklomm. Zusammen marschierten wir den Bergrücken hinunter. Immer wieder war die Rebellenkavallerie in Sicht-, aber außer Reichweite.
Um die Mittagszeit rasteten wir und kochten aus der bisher spärlichen Ausbeute des Tages Mais mit Speck und kochten ein paar Süßkartoffeln. Das erste und einzige Pfeifchen des Tages machte in der 103rd seine Runde. Währenddessen kam eine junge Dame zu uns. Einige Männer der 97th scharwenzelten sogleich um sie herum - was Männer tun, wenn sie wochenlang keine Frau mehr gesehen haben! Aber das Weibsbild war ein typisches aus dem Süden, ein tabakrauchender Simpel. Wir Männer der 103rd trauten ihr allerdings nicht, also ging ich zu ihr und sagte, "Wenn du uns in eine Falle lockst, werden wir dir die Kehle durchschneiden!" und begab mich dann zurück zum Kochen, als wäre nichts gewesen. Sie verstand natürlich meine germanische Zunge nicht, aber der Schreck und die Verwunderung werden ihr übriges getan haben. Die Mittagsruhe wurde durch erneutes Auftreten der Kavallerie gestört, die wir mit wütenden Schüssen vertrieben. Es wurde entschieden, dass das Mädchen uns zu den von ihr genannten Hütten führen sollte, die angeblich reich bestückt mit Lebensmitteln sein sollten und nur von anderen Weibsbildern bewohnt. Unguten Gefühles, aber immer noch hungrig machten wir uns auf den Weg, wieder einen Berg hinunter und einen anderen nach oben. Dort befanden sich denn auch wahrlich Behausungen - und Rebellen, die wir sogleich vertrieben. Die Frauen drängten sich ängstlich in eine Hütte, während wir uns gierig über das Essen hermachten. Aus großen Gläsern faustdicke Essiggurken, erntefrische Äpfel und in einer Hütte ein irdenes Gefäß mit Honig, den wir tranken wie Wasser. Doch mit Speck fängt man Mäuse und mit Honig Yankees - vor Hunger blind waren wir in eine Falle gelaufen, denn plötzlich tauchten ein Dutzend Reiter auf, die uns mit ihren Revolvern und Schrotflinten beschossen. Nicht einmal die Henry-Gewehre der 97th konnten sie aufhalten! Sobald hatten sie uns eingeschlossen. Ich selbst konnte mich retten. Am Rande der Lichtung sammelten sich die Entflohenen und zogen sich zurück in den Wald. Aber wir konnten doch unsere Kameraden nicht im Stich lassen! Ein erster Versuch wurde zurückgeschlagen, und die weniger mutigen liefen davon. Fünf von uns warteten und versuchten es dann noch einmal. Doch unsere Kameraden waren längst abgeführt worden (inklusive aller Offiziere und Unteroffiziere) und wir liefen geradewegs erneut in die Hände der Guerillas. Wir mussten unsere Waffen strecken. Sogleich dachte ich über Flucht nach, doch noch war nicht die Gelegenheit. Die Rebellen führten uns recht unsanft und über uns lustig machend zu einer Anhöhe, die mich aufgrund ihrer Kargheit und des dräuenden Leides an Golgotha erinnerte. Dort trafen wir unsere bereits früher gefangenen Kameraden. Die Stimmung war gedrückt. Wir hatten unsere Waffen zurücklassen müssen, und die Bushwhacker entschieden sich, dass wir unter Bewachung sie selbst holen sollten. Zwei Kavalleristen und zwei Milizionäre bewachten uns. Kurz vor den Hütten dann Gestalten im Wald - eine blaue Plänklerlinie! Hoffnung keimte auf. Schüsse knallten und unsere Bewacher wurden unsicher - und unaufmerksam. Drei Kameraden und ich nutzten die Gunst der Stunde und flüchteten! Wie oft bin ich an diesem Tage Berge auf und abgerannt, aber wie froh war ich nach diesem Hindernislauf, als wir die Freiheit versprechenden blauen Uniformen der zweiten Division mit unseren eigenen Händen fühlen durften! Wir Flüchtlinge fielen uns überglücklich in die Arme. An die 100 Bluebellies waren nun an den Hütten angekommen, doch trotz unseres Bitten und Flehens, die immer noch gefangenen Kameraden zu befreien, machte sich die zweite Division über die Vorräte her, denn sie hatten den ganzen Tag noch nichts gegessen. Man bereitete das Nachtlager vor. Unsere Kameraden in der Gewalt der Verräter mussten wohl warten. Doch wenigstens sollten die Hütten brennen für den Verrat der Hure, die immer noch, als könnte sie kein Wässerchen trüben, mit den anderen Frauen palaverte! Also zündeten wir unter dem Gezeter der Frauen eine Hütte an. Wie weinte doch die Verräterin über diese Tat, aber sie und ihre Rebellenfreundinnen verdienten dieses Schicksal, denn wenn unsere Kameraden in Gefangenschaft darben mussten, so sollten die Rebellenhuren auch leiden. Kamerad Nic und ich durchsuchten die Umgebung und fanden im Boden vergraben ein Bündel mit Käse, der uns den Hunger erst einmal vertrieb. Wie Landstreicher, ohne Befehlshaber und ohne Befehle, streiften wir durch das Unionslager. Für die Nacht legten wir ein paar Holzplanken auf den Boden, damit die Kälte von unten nicht so leicht an unsere Nieren kam, und legten unsere Decken darüber. Ein paar Kameraden einer Einheit aus Iowa hatten Mitleid mit uns und teilten einen vorzüglichen Bohneneintopf mit uns zweien. Dann legten wir uns zur Nachtruhe nieder, unsere groundcloths über den Planken, darüber eine Decke, auf der wir lagen, und eine weitere Decke, die wir über uns legten.
Am nächsten Tag, nach etwas Kaffee, den wir von der 1st MO bekamen, sowie ein paar Süßkartoffeln, die wir mit erbeutetem Pfirscihketchup aßen, vollendeten wir das Werk des Vorabendes, da die Hütte nicht ganz abgebrannt war. Wie groß war doch die Zufriedenheit über diese Egalisierung, diese Rache für unsere gefangenen Freunde! Der ranghöchste Offizier entschied daraufhin, dass wir uns zur Hauptstreitmacht zurückziehen sollten. Nic und ich, die wahren Bummers, die wir nun waren, alleine und ohne Kommado, durchsuchten weiterhin die Umgebung und streiften zwischen den verschiedenen Einheiten umher, die sich wie ein Heerwurm das Gebirge nach unten schlängelten. Die zur Deckung zurückgebliebenen Einheiten wiesen die Rebellenkavallerie ab, und weit im Hintergrund hörte man Musketenfeuer - hoffentlich wurden unsere gefangenen Kameraden befreit! Unsere Gebte wurden denn auch erhöht, denn bei der Hauptstreitmacht angekommen, trafen wir auf Sergeant Brumagin und Kamerad Dave, die wahrhaftig von anderen Nordstaatensoldaten aus ihrer Gefangenschaft befreit worden waren und somit ihr Martyrium auch hinter sich hatten. Die Ausbeute dieses ersten Fouragierausfluges war für die 103rd sehr dürftig - nur ein paar Süßkartoffeln und der Rest des Käses. Aber sicherlich wird das nächste Mal mehr zurückgebracht werden, denn dies ist erst der Anfang unseres großen Marsches, um diese verdammten Krieg endlich zu beeenden.

- Dutchie