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Munster 2009/ Ben


Combat Report by Private Benedict E.J. Hass, Company Clerk of Company D, 96th Pennsylvania Infantry Regiment of Volunteers, Army of the Potomac, concerning the unit’s engagement in the Wilderness, Commonwealth of Virginia, May 21st to 24th, 1864

Lieutenant Hecker,

In meiner Aufgabe als Compagnieschreiber übermittele ich Ihnen diesen Gefechtsbericht, da Sie ad causam absentia nicht zugegen waren.
Am 21. Mai wurde unsere Compagnie im Hauptlager der Union zusammengezogen nahe dem Gehöft Munster. Viele Männer kamen vom Heimaturlaub zurück und mussten sich erst einmal wieder an das Armeeleben gewöhnen. Dementsprechend war zwar die allgemeine Stimmung erheitert und das Hallo ein sehr großes, was aber der Dienstbeflissenheit der Truppe keinen Abbruch tat. Ich selbst kehrte erst relativ spät am Tage zurück zur Truppe, die bis dato bereits ein Geplänkel mit konföderierter Reiterei und Infanterie überstanden und sogar zwei Gefangene eingebracht hatte. Sergeant Mörsch übernahm das Kommando über die Kompanie, die nach den Kämpfen der letzten Jahre und trotz Wiederauffrischung mit Rekruten im Frühlingslager Dahlsen nur Squadstärke hätte. Dem Kameraden Kaiser, Charles wurde auf Grund seines pflichtbewussten Erfüllens von Befehlen und Diensten der Rang einer Corporals übertragen. Somit standen unserer Truppe drei Files Privates mit drei Corporals, einem Sergeant sowie einem Trommler zur Verfügung. Nach einer abendlichen Dress Parade marschierte Sgt. Mörsch uns zu unserem vorgeschobeben Posten. Hier wurden die Police Guard eingeteilt. Auf Grund des Mangels an Männern musste sogar ich als Company Clerk teilnehmen --doch der Wachdienst ist eine Ehre, und ohne Murren nahm ich die Aufgabe auf mich. Es hat sich bewährt, die Männer der jeweiligen Wachreserven auf einem bestimmten Punkt zu konzentrieren, wo sie ihre Schlafstätte aufbauen und leichter vom Unteroffizier der Wache gefunden werden können. Ich selbst war Teil der ersten und vierten Wache. Wir beobachteten den Theil des Waldes, der dem Feinde zugerichtet war, beziehungsweise ein Soldat bewachte die Wiese und den Weg, der auch unserem Anmarsch gedienet hatte. Doch abgesehen von Kämpfen mit Moskitos kann auf keinen Feindkontakt in dieser Nacht hingewiesen werden. Cpl. Brachmann hat sich als guter Corporal of the Guard bewiesen, der Umsicht bewies und sich um seine Männer kümmerte.

Die Vorgesetzten schickten uns nach dem Frühstück auf Plänklerdienst. Der Feind hatte sich hinter einem Wall aus Erde und Holz verschanzt; es lag an uns, seine Stärke herauszufinden und ihn zu binden, bis die Masse der Unionstruppen eingesetzt werden konnte. Wir legten unsere Knapsacks in einem Waldstück ab und gingen in Plänklerformation nach vorne. Allerdings wurden wir am Rande des Waldes so unter Beschuss genommen, dass ein weiterer Vorrücken gar unmöglich wurde. Glücklicherweise hatten die Männer von den Fehlern derjenigen gelernt, die nicht mehr unter uns weilen--Gott habe Sie selig!—und nahmen kräftig hinter jedem Stumpf, den sie finden konnten, Deckung. Manche bauten sogar kleine Schanzungen an ihrem Ort und Stelle. Trotz der nun fast gänzlich abgeschlossenen Auswechselung der alten glattläufigen Musketen durch gezogenen muss an der Schussfertigkeit der Männer noch gearbeitet werden, da auf gegnerischer Seite nur wenige Männer fielen—ganz so, als seien die Unionsverräter aus Stahl erbaut! Nach dem Eintreffen der Hauptstreitmacht gingen wir in die Offensive und stürmten bis zum Wall, doch schlug uns die Reserve wieder in die Gegenrichtung. Dies geschah ein zweites Mal und wir zogen uns zurück zu den Tornistern. Cpl. Wolff wurde abermals am Kopfe verwundet; trotz der zweiten Wunde dieser Art verrichtet er seinen Dienst immer noch hervorragend. Bei den Tornistern fanden die Männer die wohlverdiente Gefechtspause. Es wurde gegessen, geschlafen, gemalt, gesungen, erzählt, gelacht, gelesen, gespielt … Ein konföderierter Reiter wurde nahe unserer Stellung verletzt in Gefangenschaft genommen. Überhaupt waren die grauen Cavalliere eine einzige Nuisance, immer bereit, uns zu stören. Nach unserer verdienten Ruhe wurden wir wieder ins Gefecht gezogen. Am Rande einer Lichtung befahl Sgt. Mörsch, der die Einheit wohl geführt hat, zu laden. Just nach dem Herausziehen der Ladestöcke meldete einer der Männer eine feindliche Fahnenwache, die von links einen Weg in unserer Front herunterzog. Es wurde anlegen gehießen und wir brachten mit einer Salve den Großtheil der Wache zu Boden. Der heldenhafte Cpl. Brachman zeichnete sich abermals aus und eroberte unter großen Hurra die feindliche Fahne—ein Ereignis, das auf ewig den Anwesenden präsent bleiben wird. Kurz darauf schlug das Wetter um und wir mussten mit angelegten wasserdichten blankets das Gefecht weiter führen. In Plänklerformation nahmen wir den Kampf mit einer Batterie auf, doch der Regen schien einigen Männern das Pulver nass zu machen. Schließlich zog sich der Feind zurück und die Wolken ebenfalls. Nach einer Rast bauten wir einen Outpost auf, der den Turnpike an dieser Stelle decken sollte. Doch nach Vollendung zog uns das Oberkommando wieder zurück ins Hauptlager. Während des Musketenreinigung schlug das Wetter um und, wie die Kriegsgeschichte schon so oft gezeigt hat, auch die Moral. Doch hätte unsere Einheit nicht ihren Ruf, würde sie nicht mit den Problemen, die sich ihr stellen, fertig. Es zeigte sich abermals, dass gute Kameradschaft herrscht und keine Intrigranten und Quertreiber die demokratische Meinungsäußerung—es liebe die amerikanische Demokratie!—bedroht. Es wurde uns eine Scheune zugewiesen, die zwar einen harten Boden, dafür aber Windschutz bot. Vom Wachdienst waren wir in dieser Nacht befreit.

Am nächsten Morgen gingen wir frohen Mutes in den neuen Tag. Mit vollem Marschgepäck—wie eigentlich immer im in diesem Brief beschrieben Zeitraum; die Männer halten einiges aus!—marschierten wir, zusammen mit weiterer Infaterie, Scharfschützen und Artillerie, die ihre Pferde aufgegessen hatte, dem Feind entgegen. Auf unserem Weg begegneten uns die Kutschen der flüchtenden Zivilisten. Abermals wurde unser besonderes Geschick im Plänklerdienst herangezogen und wir an einer Wiese deployiert. Doch weit kamen wir nicht. Die Artillerie zwang uns, Deckung auf dem Bauch liegend zu suchen, und die ständigen Angriffe der Cavalleristen zwangen uns immer wieder, uns in Schützenknäueln Schutz suchend zusammen zu finden. Die exponierte Stellung forderte Tribut. Viele Männer wurden verwundet oder getötet. Glücklicherweise befand sich in der Reserve ein fähiger Trupp des Medical Corps, der sich um die Flut an Verwundeten selbstaufopfernd bemühte. Besonders herzzereissend war der Verlust des Privaten Kaiser, Lukas. Unter Schmerzensschreien wurde ihm sein Bein amputiert, doch Gott nahm ihn zu ihm. Nie werde ich den Anblick des um seinen Sohn trauernden Vaters, Cpl. Kaiser, Charles, vergessen. In den Armen des guten Kameraden Kayser beweinte er das Opfer, dass sein Sohn dem amerikanischen Vaterland brachte. Der Tod des Jungen bewegte die Einheit. Wutentschlossen wollte man diesen Verlust rächen. Kolonne um Kolonne wurde dem Feind entgegen geworfen, doch die Männer fielen wie die Fliegen. Erst ein Sturmangriff unter Führung Sgt. Mörschs konnte die feindliche Kanone vertreiben. Doch als sich das zusammengeschmolzene Häuflein Helden am Rande des Feldes bei einer in den Walf führenden Straße neuformierte, gelang es ihm, eine Salve auf in Massen anströmende Südstaateninfanterie abzugeben, bevor der Sergeant den Rückzug befahl. In Panik rannte auch ich um mein Leben. Man mag es feige nennen, aber so erhielt ich der Union meine wertvolle Kampfkraft. Nach kurzer Pause wurden wir in den Wald geschickt. Doch auf dem Wege, in Linienformation, schoss uns die feindliche Infanterie zusammen. Unvergessen bleibt der Anblick der leblosen Körper von Kameraden. „Als wärs ein Theil von mir“ lagen sie uns zu Füßen. Um der Unionsstreitmacht Platz zu machen, mussten sie an den Straßenrand geschleppt werden—eine leblose, bewegungslose Prozession lag dort in Linie, Marschgepäck auf dem Rücken, die Muskete achtlos im Dreck daneben. Die Truppen der Union schlugen hiernach die feindlichen Truppen zurück und nahmen eine Brücke. Am Ufer des unter ihr friedlich dahinströmenden Creeks rasteten wir, genossen die Stille und die Natur sowie das Mittagessen, das unsere Rationen hergaben. Höhepunkt dieser Pause war der Mail Call. Lt. Del‘Gado überbrachte uns mit den Briefen teils frohe Kunde von zu Hause, von der Westküste, ja sogar aus der schmerzlich vermissten deutschen Heimat. Doch zu kurz war die Besinnung, denn schon schickte man unser Häuflein wieder gen Feind. Kolonne um Kolonne Infanterie warf man dem Gegner entgegen, nur um wertvolles Leben zu verlieren. Es scheint, dass die Zeit der geschlossenen Gefechtsreihe mit weiter entwickelten Geschützen und gezogenen Gewehren zu Ende ist—zu hoch waren die Verluste. Wie praktischer ist doch die Plänklerformation, die wie ein Schwarm Mücken den Gegner beharkt und er nicht weiß, welche er wo zuerst zerdrücken soll. Dies zeigte sich, als grape und solid shot die Schlachtenreihe am Rande einer Wiese lichtete—abermals lagen die braven Kameraden uns zu Füßen oder wurden beim Medical Corps aufgebahrt. Doch gelang es Sgt. Mörsch, eines unserer Geschütze aus den Klauen der verhassten Cavallerie zu entreissen und die Reiter sogar gefangenzunehmen. Unter dem Klang der Trommel, hervorragend geschlagen von Drummer Falkenstein, und mit fröhlichen Marschliedern auf den Lippen marschierte wir in der Hitze des Mittages zurück ins Hauptlager. Dort reinigten wir unsere Waffen. Endlich konnten wir dann Fort Hecker—so nannten wir in ehrvoller Bezeugung unseren Outpost nach Ihnen, Herr Lieuteant—beziehen und dort Essen fassen, bevor es wieder auf Wache ging.

Meine Wenigkeit war in der dritten Wache eingetheilt. Während der Dämmerung, von der es bei den alten Wikingern, diesen Nordmannen, und ihren Nachfahren, den Skandinaviern, heißt, dass sie die Stunde des Wolfes ist, zeigte sich denn auch der Wolf. Noch halb im Schlafe wurde unsere Wache von feindlichen Plänklern beschossen. Es wurde Alarm geschlagen und zurückgeschossen. Dann: Stille. Die Gefahr schient gebannt, die nicht Wachhabenden gingen wieder unter ihre Decken. Die Aufregung der ersten Minuten wurden durch einen famosen Sonnenaufgang wieder wett gemacht. Unsere lange Wache, von der vierten Stunde bis zur Siebten, wurde vom allmorgendlichen roll call beendet. Die letzten Reste der Drei-Tages-Rationen wurden gekocht und gegessen. Dann zogen wir, mit aufgepflanztem Bajonett und zum Streite der Trommel, zurück ins Hauptlager.
Die Lehren aus der Battaille: Die Plänklerformation, richtig eingesetzt, hat sich bewährt—dank sei dem vielen Drill der Wintertage. Dem Drill ist auch zu verdanken, dass die Einheit in ihren Bewegungen und Gebahren kaum Grund zur Klage gab. Der Trommler hilft dem Marschierenden. Allerdings muss unser Marsch noch effizienter werden. Die Unteroffiziere verrichteten ihren Dienst zur vollsten Zufriedenheit der Mannschaften und umgekehrt. Die Moral ist sehr gut, doch steht und fällt sie, so ist es das Los des Krieges, oft mit dem Wetter. Der Wachdienst klappt exzellent. Die Männer kommen mit ihren Rationen aus, und ihre Einfallsreichtum bezüglich der Zubereitung ist erstaunlich. Schmerzlich vermisst wurde theils das Hornsignal, ist es doch eine große Hilfe beim Plänklerdienst. Zu Wünschen übrig ließ die Moral des Gegners. Die Fabriken von Richmond müssen Rüstungen herstellen, so scheint es.


Muster Report

Present:
1 Sergeant
3 Corporals
1 Drummer
11 Privates

Absent:
1 Private

Hiermit schließe ich meinen Bericht, Lieutenant. Auf daß Sie bald wieder zu Ihrer Truppe stoßen können!

Your ob’t serv’t

Ben Hass


Post Scriptum: Ich habe einen Brief für den Herrn Lieutenant erhalten und in Verwahrung genommen.