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Munster 2009/ Charles

Tagebuchauszug aus dem Tagebuch von Privat Charles Kaiser, 96th PennsylvaniaVolunteer Infantry, wohnhaft in New Manheim, Schuylkill County, Pennsylvania

21. Mai 1864, Donnerstag
Zusammen mit Corporal Christian Wolff und mit Lukas erreichten wir um halb zehn als erste den Treffpunkt der Kompanie, um nach mehr oder minder erfogreichen fouragieren unseren Dienst wieder aufzunehmen. Bald darauf trafen auch nach und nach die anderen Kameraden ein. Da wir wussten, das unser kommandierender Seargent erst am Nachmittag erscheinen würde, nutzten wir dieses um ein wenig Bier zu trinken, eine Labsal für die deutsche Seele, und für einige lang entbehrt! Doch die Ruhe währte nicht lang, da wurden unsere bei weiten noch nicht vollständige Truppe einigen marodierenden Rebellenreiten entgegengeworfen. Die Kommandierenden vertrauten wohl auf den guten Rufe unseres Regimentes, uns ohne unseren Seargent auf so eine Mission zu senden! Gottseidank war es auch nur ein kleines Kavalleriekontingent, welches wir schon fast zur Hölle geschickt hatten, als wir plötlich von 3 Seiten von Infantrie beschossen wurden. Was tun? Dank unserer erfahrenen Corporals konnten wir uns gut aus der Afähre ziehen, und auch noch einen Rebellen gefangen nehmen
Beim abendlichen Antreten der nun vollständigen Kompanie wurde ich vor diese zitiert. Ein großer Schreck überkam mich, was war geschehen? Ich wurde zum Corporal befördert, mein Schreck wurde noch größer, ich der zwar ein Vetran war, aber noch nie befehligt hatte, oh Gott ! Mir lief es kalt und heiß den Rücken runter. Hatte man den Bock zum Gärtner gemacht? So nähte ich den auch mit den gemischten Gefühlen der Angst und des Stolzes meine Winkel auf die Ärmel.
Alsbald bezogen wir des Abends einen Vorposten an einer Lichtung.Unsicher und in der Hoffnung nichts falsch zu machen, und nichts zu übersehen kontrollierte ich die mir zugeteilten 3 Riflepits ständig.
So war ich grad bei unserem Bugler Berger, als unser Seargent Mörsch prompt seinerseits mich kontrollierte! Traute er mir, der ich mich schon öfter als Jonah erwiesen hatte etwa nicht?

22. Mai 1864,

Der Tag begann für mich nach einen hastigen Frühstück mit erneutem Wachdienst. Da mir der eine Posten am Weg zu wenig Übersicht bot, verlegte ich diesen nach vorne an eine Kreuzung. durfte das ein kleiner Corporal? Die Frage war müßig, als mein Posten die Rebellenkavallerie vom Vortag
sichtete, und auch die Marschbefehle von Rebellen einheiten hörte. Wir mussten weg mit unserer kleinen Truppe ! Nach Meldung an den Seagent zog ich die Wachen ein, und flugs waren wir auf dem Weg zu unserem Treffpunkt, wo wir mit anderen Truppen vereinigt werden sollten, den es braute sich auf Feindesseite etwas zusammen, wie unsere Unionskundschafter herausgefunden hatten! Nach einer Dressparade der versammelten Unionstruppen ging es auf das Feld der Ehre.
In Skirmishline auf eine Brustwehr der Rebellen. Vor fast einem Jahr hatten wir auch hinter einer solch guten Verschanzung gelegen, und ich konnte sehen, wie die Rebellentruppe unter unserem Feuer zusammenschmolz. Mit ungutem Gefühl ging es voran. Zweimal erreichten wir diese, und wurden zweimal zurückgedrängt! Am Ende waren wir wieder da, wo wir gestartet waren. Erschöpt vom Kriegshandwerk machten wir bei unseren vor der Schlacht abgelegten Knappsacks Pause.
Lukas legte sich an einem Baum, um sofort einzuschlafen. Ja die Unbekümmertheit der Jugend ist ihm noch erhalten geblieben. Nach anfänglicher Bedrückheit über die Gottseidank nicht so hohen Verluste des Angriffes kangen bald erst traurige, und dann bald immer fröhlichere Lieder auf. Ja der Soldat ist, geprägt durch sein hartes Los, schnell wieder fröhlich, wer weiß wie lange er das Leben noch genießen kann. So klang denn auch bald der Ruf des Hornes durch den Wald, auf, auf Männer
ziehet von dannen, in die Schlacht! In dieser waren wir sehr weing aktiv, und sie wäre kaum erwähnenswert, wenn nicht durch einen Zufall uns eine Rebellentruppe vor die Musketen mrschiert wäre. Da wir gerade geladen hatten , konnten wir sie mit einer Salve überraschen, und die wenigen Überlebenden flohen, und oh Wonne des Kriegers, unsere Corporal Brachmann eroberte die Fahne des Gegners! Regen setze ein, und der schlachtenlärm erstarb langsam. In einer, so würde sich zeigen, kurzen Regenpause errichteten wir eine Feldbefestigung wider den Rebellen, die wir zu Ehren unseres gefallenen Regimentskommandeurs Fort Hecker tauften, ein feiner Mann der uns zu vielen Siegen geführt hatte! Kaum fertig, wurden wir zurück ins Lager beordert, wo wir dem Regen gottlob in einer Scheune entkamen. So ists beim Militär, oft gibts Arbeiten und Kämpfe für die Katz.

23. Mai 1864
Was für ein schwarzer Tag dies für mich werden würde, konnte ich am Morgen bei herrlichem Sonnenschein noch nicht erahnen. Meine Hand zittert und mein Herz rast während ich dieses Zeilen schreibe. Oh du verdammter Krieg, warum nimmst du mir meinen Sohn?
Frohen Mutes marschierten meine Kameraden und ich nichtsahnend und scherzend los in diesen so
schönen Morgen, der auch über viele andere Familien Pennsilvaniens Trauer und Verzweiflung bringen würde. Nach einer halben Sunde Marsch stellten uns die Rebellen an einer Wiese. In großer Eile stellten wir eine Skirmishline auf, und gingen auf den Feind los. bedrängt von Infantrie Kavallerie und Atillerie erlitten wir unsere ersten Verluste, ich bekam einen Streifschussam linken Bein ab. Glück gehabt, dachte ich, und schleppte mich zusammen mit dem Kameraden Mattias Kayser, der an der sSchulter getroffen wurde, zum Verbandsplatz. Doch du Vermessenheit der Menschen! Schnell von den Surgeons ob meiner leichten Verletzung versorgt, lag ich zusammen mit dem Kameraden Kayser auf der Wiese. Halb betäubt von der Verwundung und dem Lärm der noch immer tobenden Schlacht, bekam ich es erst gar nicht mit das auch Lukas getroffen wurde, sein Beim war zerschmettert, und mussste amputiert werden. Die Schreie der anderen Verletzten und Sterbenden, nichts neues für einen schon zweimal Verwundeten Veteran. Aber da erblickte ich 2 Kameraden unseres Regimentes an der Leiche eines Mannes, wenn hatte es diesmal erwischt ?
Ich schaute genau hin, und sah meinen Sohn. Oh Gott, was dann geschah kann ich nicht beschreiben, zu nah und zu deutlich ist die Pein! Nur die starke Schulter und der Zuspruch meines Kameraden Mattias hielten mich vor Dummheiten zurück, und brachte mich zur Besinnung. Er hat mir in dieser Stunde wahre Kameradschaft gezeigt, und mich vor der Verückheit bewahrt. Ja ich wollte es den Rebellen zurückzahlen ! Der Rest unsere Kompanie flutete zurück, und sammelte sich bei den Surgeons. Auf die Frage, wer alles noch Kampfbereit war bissen Mattias und ich die Zähne zusammen und meldeten uns. Mit flammenden Zorn stürmten wir die Wiese wieder herunter,
und als uns Rebellen von der Seite angriffen schrie ich "Für Lukas" und unsere Kompanie schleuderte den verfluchten Rebellen unser Blei mit einer Salve entgegen. Hoffentlich hat den ruchlosen Rebellen auch sein Schicksal getroffen. Das wir letzendlich die Rebellen in den Wald zrückdrängten, und die dort wichtige Brücke eroberten unter weiteren hohen Verlusten, bekam ich nur wie durch einen Nebel mit. Nach der Eroberung dieser wurde ich mit 3 Soldaten angewiesen, die Brücke zu sichern, wo ich noch so einigen Rebellen ihrem gerechten Schicksal zuführen konnte!
Die Mittagsrast brachte mich ein wenig zur Ruhe, ich kühlte meinen Kopf im klaren Wasser, und wusch mein Hemd dort. Ein Brief aus der Heimat erreichte mich, den ich auch vorlesen musste , aber nicht verstand, da er auf Englisch verfasst war. Es war mir auch irgendwie egal. Lange hatten wir nicht Ruhe vor den Rebellen, aber wir trieben sie vor uns her, und besiegten sie nach einigen schweren Scharmützeln. Doch wie kraftlos war dieser Sieg für mich. ! Mit einem ebenso erschöpften Kameraden wankte ich der Kolonne der siegestaumelnden und singenden Kameraden hinterher. Am Abend bezog die Kompanie doch noch "Fort Hecker". Ich meldete mich für die Wache von zwei bis vier Uhr, da ich eh nicht an Schlaf denken konnte nach diesen Ereignissen.
Zurück von diese wurden wir noch von versprengten Rebellen herausgefordert, die wir aber mit einigen guten Schüssen vertrieben.

24. Mai 1864, Sonntag
Als ich am heutigen Sonntag meinen Eintrag für den Samstag machte, wurde mir bewußt, das an diesem Tage Zuhause meine Familie den zwölften Geburtstag meiner Tochter feierte, während mein Sohn starb im Felde, welch ein grausiges Zusammnespiel des Schicksals ! Dem Gottesdienst an diesem Sonntag konnte und wollte ich nicht teilnehmen, der letzte Rest Gottesglauben wurde mir genommen durch den grausamen Samstag!